
Über schlechte Würfe, eigene Fehler und die Frage, warum uns ein Spiel manchmal so auf die Palme bringen kann.
Zur Zeit bin ich etwas frustriert, was Blood Bowl betrifft. In unserer Online Liga läuft es momentan nicht besonders gut für mich und nach drei Niederlagen in Folge frage ich mich langsam, ob ich einfach nur Pech habe oder selbst einen erheblichen Teil dazu beitrage.
Auf der Suche nach etwas Ablenkung bin ich auf den englischen Artikel Blood Bowl Frustrations von GRUMBBL gestoßen. Darin beschäftigt sich der Autor mit einer Frage, die vermutlich jeder Blood Bowl Spieler kennt. Warum ärgern wir uns eigentlich so sehr über ein Spiel, bei dem wir von Anfang an wissen, dass ein einziger Würfelwurf alles ruinieren kann?
Der Artikel hat mich nachdenklich gemacht, weil ich mich in einigen seiner Beobachtungen ziemlich gut wiedergefunden habe. Warum bleiben eigentlich immer die schlechten Würfe hängen?
Einer der interessanten Gedanken aus dem GRUMBBL Artikel beschäftigt sich damit, wie wir Glück und Pech wahrnehmen. Unser Gehirn erkennt gerne Muster, auch wenn diese möglicherweise überhaupt nicht existieren. Haben wir einige schlechte Würfe hintereinander, entsteht schnell der Eindruck, dass grundsätzlich alles gegen uns läuft. Gelungene Würfe nehmen wir dagegen häufig als selbstverständlich hin. Wenn mein Ghoul mit Dodge erfolgreich ausweicht, freue ich mich vielleicht kurz darüber. Schließlich sollte das mit Dodge auch meistens funktionieren. Misslingt derselbe Wurf dagegen trotz Wiederholungswurf, bleibt er mir vermutlich noch eine ganze Weile im Gedächtnis.
GRUMBBL vergleicht diese Wahrnehmung mit roten Ampeln. Man erinnert sich vor allem an die Situationen, in denen man anhalten musste. Die zahlreichen grünen Ampeln auf derselben Strecke nimmt man kaum wahr. Beim Blood Bowl funktioniert das offenbar ähnlich. Nach meinen letzten drei Spielen könnte ich jedenfalls problemlos eine ganze Reihe misslungener Würfe aufzählen. Ob ich mich ebenso genau an sämtliche gelungenen Aktionen erinnern könnte, bezweifle ich.
Da war beispielsweise mein erstes Spiel gegen Old World Alliance.
Bereits in Runde zwei wurde mein Fleischgolem durch einen Ein Würfel Block eines Dwarf Blockers verletzt und verlor dabei einen Punkt Stärke. Ein einzelner Blockwürfel genügte also, um einen meiner wichtigsten Spieler dauerhaft zu schwächen. Das bleibt hängen.
Dass meine Ghoule trotz Dodge teilweise nicht ausweichen konnten, passte anschließend wunderbar ins Bild. Schon hatte ich das Gefühl, dass in diesem Spiel ohnehin nichts funktionieren würde. Dabei sagt eine solche Serie von Würfen zunächst wenig darüber aus, ob ich tatsächlich außergewöhnlich viel Pech hatte. Aber in dem Moment fühlt es sich natürlich so an.
Warum ein misslungener Spielzug mehr ärgert als ein verletzter Spieler
Was mich an dem Artikel ebenfalls beschäftigt hat, ist die Unterscheidung zwischen Würfelpech und eigenen Fehlern. Der Autor beschreibt, dass ihn schlechte Entscheidungen manchmal sogar stärker ärgern als misslungene Würfe. Weil er weiß, dass er es eigentlich besser hätte machen können. Das kann ich inzwischen gut nachvollziehen. Mein Spiel gegen OWA habe ich mit 0:1 verloren. Und so ärgerlich der verletzte Fleischgolem auch war, der entscheidende Fehler hatte mit den Würfeln überhaupt nichts zu tun.
Beim Anstoß gab es ein Time-Out.
Dieses Ereignis hatte ich im weiteren Spielverlauf schlicht vergessen und auch nicht mehr richtig auf den Turnmarker geachtet. Als mein letzter Spielzug endete, stand ich mit dem Ball noch zwei Felder vor der Touchdown-Linie. Zwei Felder.
Das war kein misslungener Dodge, kein Double Skull und auch kein besonders glücklicher Block meines Gegners. Ich hatte mich einfach bei den verbleibenden Spielzügen vertan. Darüber ärgere ich mich heute mehr als über den verletzten Fleischgolem. Denn während ich den gegnerischen Verletzungswurf nicht beeinflussen konnte, hätte ich den Turnmarker ohne größere Schwierigkeiten kontrollieren können. Dieser Frust hat mich das restliche Spiel über begleitet. Vielleicht ist genau das einer der Gründe, weshalb Blood Bowl gelegentlich so frustrierend ist. Manchmal verliert man durch Pech. Manchmal durch eigene Fehler. Und besonders unangenehm wird es, wenn beides zusammenkommt.
Wenn der Gegner scheinbar alles schafft
Ein anderes Phänomen beschreibt GRUMBBL ebenfalls ziemlich treffend.
Es gibt Spiele, in denen man das Gefühl hat, dass der Gegner praktisch jeden wichtigen Wurf schafft, während bei einem selbst nicht einmal die einfachsten Aktionen funktionieren wollen. Mein zweites Spiel gegen Halblinge war für mich so eine Partie. Bereits vor dem eigentlichen Spiel hatte mir der Halbling-Meisterkoch die Team Rerolls auf 0 reduziert. Das ist kein besonders angenehmer Start, wenn man anschließend mit Necromantic versucht, ein einigermaßen vernünftiges Spiel aufzubauen. Dann begannen die Halblinge, um meine Spieler herumzuwuseln. Sie dodgten, machten Rushes und tauchten ständig an Stellen auf, an denen ich sie überhaupt nicht haben wollte. Ich hatte zeitweise das Gefühl, dass meine Mannschaft nur noch damit beschäftigt war, diesen kleinen Plagegeistern hinterherzulaufen.
Am Ende verlor ich mit 1:2.
Während des Spiels kam es mir teilweise so vor, als würden die Halblinge sämtliche notwendigen Würfe schaffen. Natürlich weiß ich, dass das nicht der Fall war. Aber wenn man sich selbst mit seinen Aktionen schwertut, wirken die gelungenen Würfe des Gegners umso ärgerlicher. Was dabei leicht untergeht, ist die Leistung des gegnerischen Coaches. Vielleicht hat er seine Spieler schlicht besser positioniert und dadurch Situationen geschaffen, in denen seine Halblinge ihre Stärken ausspielen konnten. Vielleicht habe ich auch zu sehr versucht, einzelne Spieler zu verfolgen, anstatt wichtige Räume zu kontrollieren. Diese Überlegungen kommen allerdings meistens erst nach dem Spiel. Währenddessen sieht man vor allem wieder einen Halbling, der erfolgreich irgendwo hindurchdodgt. Und möchte ihm am liebsten den Hals umdrehen.
Online ist der Frust manchmal noch größer
Im GRUMBBL Artikel wird auch ein Unterschied zwischen Online und Tabletop Blood Bowl angesprochen. Am Computer bekommt man einen misslungenen Spielzug ziemlich deutlich vor Augen geführt. Der Spieler fällt um, der Turnover wird angezeigt und die eigene Runde ist beendet. Bei Blood Bowl 3 wird das Ganze sogar noch akustisch untermalt. Das trägt nicht unbedingt zur guten Laune bei.
Am Tabletop sitzt man dagegen seinem Gegner direkt gegenüber. Man würfelt, flucht vielleicht kurz und unterhält sich anschließend weiter. Natürlich kann man sich auch dort ärgern. Aber ich habe den Eindruck, dass die persönliche Atmosphäre häufig dabei hilft, solche Situationen etwas gelassener zu nehmen. Online konzentriert man sich stärker auf das Spielfeld und die einzelnen Aktionen. Wenn dann mehrere Dinge hintereinander schiefgehen, kann sich der Ärger ziemlich schnell aufbauen. Gerade nach einigen Niederlagen hintereinander. Bei mir kommt momentan noch hinzu, dass ich bereits vor dem nächsten Spiel darüber nachdenke, was wohl dieses Mal schiefgehen könnte. Keine besonders gute Voraussetzung, um entspannt zu spielen.
Wenn aus Frust schlechte Entscheidungen werden
Das eigentlich Problematische ist meiner Meinung nach nicht der Ärger selbst. Sondern das, was man anschließend daraus macht. Wer sich über mehrere misslungene Würfe aufregt, neigt möglicherweise dazu, etwas erzwingen zu wollen. Endlich muss doch einmal etwas funktionieren. Also probiert man einen riskanten Dodge, einen schwierigen Blitz oder einen Angriff, für den eigentlich noch ein paar vorbereitende Aktionen notwendig gewesen wären. Wenn das funktioniert, ist alles wunderbar. Wenn nicht, bestätigt es nur den Eindruck, dass man ohnehin kein Glück hat. Mein drittes Spiel gegen Humans hat mir zumindest Anlass gegeben, darüber nachzudenken. Die Humans schienen meine Angriffe ständig vorherzusehen. Kaum hatte ich einen Weg geöffnet, stand bereits der nächste gegnerische Spieler darin.
Irgendwann gelang mir dann eine interessante Kombination. Mein Werwolf schaffte einen Dodge. Danach konnte ich mit dem Fleischgolem und einem Zombie einen Weg für meinen Ghoul freiblocken, der anschließend ebenfalls ausweichen und den Ball an den Werwolf übergeben konnte. Der Werwolf hatte den Ball und endlich schien sich eine Möglichkeit zu ergeben, den Angriff nach vorne zu bringen. Allerdings fehlten mir zu diesem Zeitpunkt bereits drei Zombies, die ich zur Absicherung dringend benötigt hätte. Der Gegner konnte den Werwolf blitzen und aus meiner gelungenen Kombination entwickelte sich ein gegnerischer Touchdown. Ich hatte mich offenbar so stark darauf konzentriert, den Ball nach vorne zu bekommen, dass ich die anschließende Absicherung nicht ausreichend berücksichtigt hatte. Natürlich wäre der Spielzug mit drei zusätzlichen Zombies möglicherweise ganz anders verlaufen. Aber die fehlenden Spieler waren nun einmal eine Tatsache, mit der ich hätte umgehen müssen. Die zweite Halbzeit wurde dann noch unangenehmer. Erst starb ein Ghoul, anschließend auch noch mein Werwolf.
Endstand 0:2.
Solche Spiele machen es einem nicht gerade leicht, anschließend gut gelaunt den Rechner auszuschalten.
Der Gegner ist nicht schuld
Eine Aussage aus dem GRUMBBL-Artikel finde ich besonders wichtig. Man ärgert sich über das Spiel, nicht über den gegnerischen Coach. Das sollte eigentlich selbstverständlich sein. Trotzdem kann der Unterschied während einer frustrierenden Partie manchmal etwas verschwimmen. Wenn der Gegner den dritten schwierigen Wurf hintereinander schafft, während man selbst gerade wieder einen Spieler verloren hat, fällt es nicht immer leicht, sich darüber zu freuen. Aber der Gegner macht schließlich nichts falsch. Er nutzt seine Möglichkeiten und freut sich über gelungene Aktionen. Genau das würde ich an seiner Stelle ebenfalls machen. Ich kann ihm schlecht vorwerfen, dass sein Dwarf Blocker meinen Fleischgolem verletzt oder seine Halblinge erfolgreich ausweichen. Und wenn mein Gegner meine schlecht abgesicherte Angriffsaktion erkennt und ausnutzt, hat er schlicht besser als ich gespielt.
Blood Bowl lebt schließlich nicht nur von den Würfeln, sondern auch davon, dass zwei Coaches versuchen, sich gegenseitig auszuspielen. Gerade in einer Liga, in der man regelmäßig auf dieselben Leute trifft, sollte man das nicht vergessen. Ein spannendes Spiel bleibt ein spannendes Spiel, auch wenn man es am Ende verliert. Zumindest theoretisch. Direkt nach einem 0:2 mit zwei toten wichtigen Spielern sieht man das vielleicht noch etwas anders.
Warum uns Blood Bowl überhaupt so ärgern kann
Eigentlich ist es schon bemerkenswert, wie viele Emotionen ein Spiel mit kleinen Fantasy Football Figuren auslösen kann. Wir verbringen Zeit damit, Mannschaften zusammenzustellen, Spieler zu entwickeln und uns Gedanken über Strategien zu machen. Mit zunehmender Erfahrung weiß man immer besser, welche Aktionen sinnvoll sind und welche Risiken man vermeiden sollte. Und trotzdem kann ein einziger Würfelwurf den sorgfältig geplanten Spielzug beenden. Das gehört zum Spielprinzip. Ohne diesen Zufallsfaktor wäre Blood Bowl vermutlich deutlich berechenbarer. Vielleicht auch fairer im Sinne von besser vorhersehbar, aber wahrscheinlich längst nicht so unterhaltsam. Gerade die völlig unerwarteten Situationen machen schließlich viele unserer Geschichten aus. Ich erinnere nur an meine Khorne Saison, in der mein erster Bloodspawn bereits im dritten Spielzug seines ersten Spiels starb. Der später verpflichtete Ersatz schaffte es sogar nur bis zum zweiten Spielzug.
Darüber kann ich inzwischen lachen. Während der damaligen Spiele war mir allerdings weniger danach. Vielleicht liegt darin ein weiterer interessanter Aspekt von Blood Bowl. Was uns während einer Partie zur Weißglut treibt, wird einige Wochen später zu einer Geschichte, die wir gerne weitererzählen. Die beiden Bloodspawns sind dafür ein ziemlich gutes Beispiel.
Muss man seinen Frust einfach akzeptieren?
GRUMBBL versucht nicht, den Ärger mit dem üblichen Hinweis abzutun, dass es schließlich nur ein Spiel sei. Das gefällt mir an dem Artikel. Natürlich ist Blood Bowl nur ein Hobby. Aber wir investieren Zeit, beschäftigen uns mit unseren Mannschaften und möchten möglichst gut spielen. Wenn einem das völlig egal wäre, würde man sich wahrscheinlich auch nicht über eine Niederlage ärgern. Die entscheidende Frage ist deshalb eher, wie man mit dem Frust umgeht. Ich glaube nicht, dass ich jemals völlig gelassen auf einen Double Skull in einer wichtigen Situation reagieren werde. Aber vielleicht sollte ich nach einer Partie etwas genauer unterscheiden, weshalb ich eigentlich verloren habe.
War es tatsächlich eine außergewöhnlich schlechte Würfelserie? Habe ich meine Spieler falsch positioniert? Hat der Gegner einfach besser gespielt? Oder habe ich unter dem Eindruck der vorherigen misslungenen Aktionen angefangen, unnötige Risiken einzugehen? Vermutlich gibt es darauf selten nur eine einzige Antwort. Gerade meine letzten drei Spiele zeigen das recht deutlich. Gegen OWA gab es Pech bei den Verletzungen, aber auch einen vermeidbaren Fehler mit dem Turnmarker. Gegen Halblinge hatte ich das Gefühl, dass praktisch alles beim Gegner funktionierte. Gleichzeitig muss ich mich fragen, ob ich meine Verteidigung richtig aufgebaut hatte. Und gegen Humans gelang mir sogar eine schwierige Kombination, nur konnte ich den Ball anschließend nicht ausreichend schützen. Wenn ich daraus etwas lernen möchte, muss ich auch die eigenen Fehler betrachten. So unangenehm das manchmal ist.
Und wie geht es jetzt weiter?
Momentan muss ich zugeben, dass ich nach drei Niederlagen und den Verlusten wichtiger Spieler etwas die Lust verloren habe. Nicht grundsätzlich an Blood Bowl, aber zumindest an dieser aktuellen Serie von Spielen. Vielleicht sollte ich mich etwas weniger mit den Ergebnissen beschäftigen und wieder stärker darauf konzentrieren, einzelne Spielzüge vernünftig zu planen. Nicht jeder Angriff muss zu einem Touchdown führen. Nicht jeder gelungene Block muss einen verletzten Gegner zur Folge haben. Und nicht jeder verlorene Spieler bedeutet automatisch, dass das Spiel bereits entschieden ist. Vor allem möchte ich vermeiden, dass ich die nächste Partie schon mit dem Gedanken beginne, dass vermutlich ohnehin wieder alles schiefgehen wird. Denn dann ärgere ich mich möglicherweise bereits über den ersten misslungenen Wurf, obwohl das Spiel gerade erst angefangen hat.
Ob mir das gelingt, wird sich zeigen. Vielleicht gewinne ich das nächste Spiel. Vielleicht verliere ich auch wieder und darf mir anschließend erneut überlegen, was ich alles hätte besser machen können. Einen Punkt aus dem GRUMBBL Artikel möchte ich jedenfalls mitnehmen: Man sollte verstehen, warum einen bestimmte Situationen so sehr ärgern, und versuchen, sich dadurch nicht den gesamten Spaß am Spiel verderben zu lassen. Schließlich spiele ich Blood Bowl, weil es mir Spaß macht. Nicht weil ich mich jede Woche über kleine Plastikfiguren und virtuelle Würfel aufregen möchte.
Auch wenn man das momentan durchaus vermuten könnte.
Praise Nuffle!
Griessbart – drei Spiele, drei Niederlagen und die Hoffnung, dass beim nächsten Mal wenigstens der Turnmarker mitspielt.
