4 völlig nutzlose Aussagen, wie Sie in jeder Spielrunde vorkommen können

Als Fan von Rollenspielen gibt es nichts was ich mehr liebe, als mich hinzusetzen und lange über meine Lieblingsspiele zu reden und nachzudenken (außer sie tatsächlich zu spielen). Ich werde über Regeln sprechen, ich werde über Geschichten sprechen, und wenn ich ein aufnahmefähiges Publikum habe, werde ich sogar darüber sprechen, wie man die vorhandenen Regeln eines bestimmten Genres unterwandert, um etwas Unerwartetes zu tun. Ich verbringe jedoch auch viel Zeit im Internet und würde es als großen persönlichen Gefallen betrachten, wenn wir diese vier Aussagen aus unserem Spielerlexikon entfernen könnten.

Dieser Artikel soll niemanden persönlich angreifen. Ich rufe niemanden dazu auf und fordere auch nicht, dass jeder die Dinge auf meine Weise sieht. Ich möchte nur auf einige Dinge hinweisen, die ich in den letzten Jahren erfahren habe und warum ich denke, dass diese Verhaltensweisen zu nichts führen.

Alles klar, dann beginne ich …

#4 Ich spiele nur meinen Charakter


Kein Spieler darf einem anderen Spieler diktieren, welche Aktionen er ausführen muss oder nicht. Kein Charakter kann einen anderen dazu zwingen etwas zu tun, das die Verwendung irgendeiner Form von Zwang (magisch o.ä.) ausschließt.

Es spielt keine Rolle, welches System Du spielst oder wie die jeweilige Situation ist. Diese Phrase beendet sofort (die meisten) Diskussionen zu diesem Thema. Viele Spieler verstecken sich hinter dieser Aussage, um ihr Verhalten zu entschuldigen oder um eine völlig legitime Kritik an der Art und Weise wie Sie ihren Charakter spielen zu unterbinden.


Du bist der Spieler hinter dem Charakter
Das gemeinsame Ziel von Rollenspielen ist es lebende, atmende Charaktere zu erschaffen, deren Geschichten gemeinsam erzählt werden können. Diese Charaktere könnten Flüchtlinge aus einem kleinen Dorf sein. Magier, die die arkanen Künste beherrschen oder Kundschafter, die das Seltsame und Ungewöhnliche der Spielwelt erkunden. Egal wer oder was diese Charaktere sind. Du bist derjenige, der sie erschaffen hat und du bist derjenige, der über ihre Handlungen entscheidet.

Angenommen, Du spielst einen Kleriker. Du trägst prächtige weiße Gewänder und verehrst einen Gott des Lebens. Deine Magie wird verwendet, um die Verwundeten zu heilen und die Untoten zu vertreiben. Die Gruppe kommt zu einem zerstörten Kloster mit dem Ziel, in seine Gewölbe einzutauchen und den Nekromanten zu töten, der alle Geistlichen in diesem Kloster getötet hat. Nun, die ermordeten Geistlichen waren Mitglieder deines Ordens. Daher hält es dein Kleriker für seine Pflicht, den verstorbenen ihren letzten Segen zu geben. Wenn dies zum ersten Mal passiert, erheben sich die Toten und greifen euch an. Es passiert auch beim zweiten, dritten und vierten Mal. Trotzdem besteht dein Kleriker hartnäckig darauf, dass die Gruppe wartet und Du jedem einzelnen Leichnam dem Ihr begegnet, die notwendigen Riten bietest.

Jetzt hat dein Kleriker an dieser Stelle eine Entscheidung zu treffen. Er kann entschieden verlangen, dass jedem entdeckten Leichnam die letzten Riten gegeben werden. Was wahrscheinlich dazu führen wird, dass die Gruppe das gesamte Kloster bekämpfen muss. Dies wird sowohl deinen Kleriker als auch die Gruppe in ernsthafte Gefahr bringen und gleichzeitig Ressourcen verschwenden, mit denen die Gruppe ihr Ziel leichter erreichen könnte. Den Nekromanten töten und seinen Einfluss auf die Region zu verhindern.

Wenn Du als Kleriker zu diesem Zeitpunkt weiterhin auf deine schädliche und verschwenderische Vorgehensweise bestehst und dies mit „Ich spiele nur meinen Charakter“ rechtfertigst, ignorierst Du die Tatsache, dass Charaktere manchmal schwere Entscheidungen treffen müssen. Anders ausgedrückt. Deine Überzeugungen oder Wünsche erweisen sich als rücksichtslos und schlecht für die Gruppe. Wäre es zum Beispiel als Kleriker, der angeblich mit dem Schutz der Lebenden beauftragt ist nicht sinnvoller, zuerst den Nekromanten unschädlich zu machen und den Toten dann die erforderlichen Bestattungsriten zu gewähren, nachdem die Bedrohung vorüber ist? Wenn die Toten so lange gewartet haben, können sie doch auch noch warten, bis die Gruppe nicht mehr unter Beschuss steht?

Allzu oft zeigen Spieler auf ihre Charaktere als wären diese jemand, über den sie keine Kontrolle hätten. Sie sagen: „Schau, das würde er jetzt machen“. Um Handlungen zu rechtfertigen von denen sie wissen, dass diese negative Auswirkungen auf den Rest der Gruppe haben werden. Der Punkt ist jedoch, dass wir als Spieler die Kontrolle über unsere Charaktere haben. Wenn die Spieler hartnäckig auf eine Vorgehensweise ihres Charakters bestehen, von der Sie als Spieler wissen, dass diese schlecht für sich selbst und die Gruppe ist, haben sie möglicherweise Motivationen, die über die Treue zu Ihrem Charakter hinausgehen.

Wenn Du als Spieler das erkennst, heißt das nicht, dass Du einen völlig neuen Charakter spielen musst. Lasse einfach den, den Du spielst an seinen Erfahrungen wachsen. Vielleicht lernt ein Attentäter den Wert des Lebens zu schätzen und versteht, dass Blut nicht in Gold gemessen werden kann?
All dies sind Optionen. Aber wenn Du darauf bestehst, deinen Charakter, unabhängig davon welche Erfahrungen dieser gemacht hat zu spielen, wird dieser nicht an seinen Erfahrungen wachsen.

#3 Der SL kann diese Regel einfach ändern, wenn er möchte
Ja, ich kann … äh was?

Diese Aussage taucht normalerweise auf, wenn jemand eine Frage zu einer bestimmten Spielmechanik stellt. Insbesondere zu einer, die aufgrund von Formulierungen in eine Grauzone fällt. Einige Spieler werden darauf bestehen, dass eine Mechanik in einer bestimmten Weise funktioniert und andere werden darauf hinweisen, dass es aufgrund eines Wortlauts anders funktionieren könnte. Dann steht jemand mitten in der Diskussion auf und sagt: „Es funktioniert. Aber die SL sagt, wie es funktioniert.“

Dieser Satz ist grundsätzlich richtig. Es ist Aufgabe der SL die Regeln zu beurteilen und so zu interpretieren, dass die Gruppe zufrieden ist. Es liegt auch im Zuständigkeitsbereich der SL, die Regeln mit Zustimmung der restlichen Gruppe zu ändern, um das Spiel für alle angenehmer zu gestalten.

Die SL kann daher nicht Regeln ändern wie ihr es beliebt. Sollte es innerhalb der Gruppe zu Diskussionen um die Auslegung einer Regel oder die Einführung einer neuen Regel kommen, so hat die SL das „letzte Wort“, wie und ob eine Regel geändert oder interpretiert wird. Es sollte hierbei aber immer das Allgemeinwohl der Gruppe berücksichtigt werden.

#2 Das ist so unrealistisch!

Lass mich raten. Magisch beschworene Feuerbälle sollten viel mehr Schaden anrichten.
Ich weiß, dass die meisten Leute, die diesen Satz verwenden, wenn es um Rollenspiele geht, die Ironie hinter dieser Aussage nicht erkennen. Sie spielen ein Spiel, in dem Sie unsterbliche, alles vernichtende Barbaren oder Magier spielen können, die völlig unrealistisch Blitze oder Kreaturen aus der Luft herbeizaubern können. Aber so ist es nun einmal.

Nein. Es ist nicht realistisch, dass ein Bogenschütze mehrere Pfeile in wenigen Sekunden abfeuern kann. Es ist auch nicht realistisch, dass er diesen Bogen verwenden kann, um einen Nekromanten zu erschießen, der eine Armee der Toten erschaffen hat, um ein Dorf zu terrorisieren. Es ist auch unrealistisch, dass ein Kämpfer auf der ersten Stufe einen kritischen Treffer eines Schwertes in den Bauch bekommt, seine Gedärme sich über seine Mitstreiter verteilen und er stirbt. Wobei dann ein Kämpfer der zehnten Stufe, der denselben Schwerthieb abbekommt, vermutlich nur einen Kratzer davontragen würde. Es ist nicht die Aufgabe eines Rollenspiels die Realität so zu simulieren, wie wir sie kennen. Die Aufgabe eines Rollenspiels besteht darin, als Konfliktlösungssystem und Erzählfunktion zu fungieren.

Es ist einfach so, dass die Art und Weise wie Physik in der Spielwelt funktioniert, nicht an die Gesetze gebunden sind, wie Physik, Schaden oder Chemie in unserer realen Welt funktionieren. Das System für Fallschaden in Pathfinder 1 sollte ausreichen, um dieses Beispiel zu erklären. Ja, wir alle wissen, dass die tatsächliche Reichweite traditioneller Langbögen, Armbrüste usw. nicht dem entspricht, was in den Regeln steht. Wir wissen, dass Degenkämpfer schneller und häufiger angreifen können als jemand, der einen Zweihänder schwingt. Die Regeln erlauben es einem aber auch, dass man einen Halbork mit riesigen Hauern spielen kann, der im Dunkeln sieht. Alles eine Frage der Perspektive.

#1 Das ist historisch nicht korrekt

Das größte Problem hierbei ist, dass wenn Du ein Rollenspiel spielst, das irgendwo anders als auf der Erde spielt, tatsächlich mit einer anderen Historie leben musst als diese, welche bei uns tatsächlich passiert ist. Was bedeutet, dass es hier bei uns keine geheimen Vampirreiche, keine versteckten Magier Heiligtümer und keine Drachen gibt. Auch keinen Krieg zwischen Himmel und Hölle hinter den Kulissen. Daher ist dieses Argument für die Diskussion völlig irrelevant.

Je näher Deine Spielwelt an der tatsächlichen Geschichte der Erde liegt, desto mehr können diese Argumente jedoch gültig werden. Du kannst jedoch nicht behaupten, dass die Vorgänge in der realen Menschheitsgeschichte überhaupt Gültigkeit haben, wenn dein Spiel in einer anderen Welt spielt, die noch nie etwas von ihrer Geschichte in unserer Welt gemeinsam hatte. Soziale Strukturen, Religion, Vorstellungen von Freiheit und die wirtschaftlichen Abläufe sind völlig unabhängig von deinen Erfahrungen in unserer Welt, sobald Du Golarion oder eine andere Spielwelt betrittst.

Bevor Du also das „historisch unkorrekte“ Argument vorbringst, frage dich selbst, warum das Regelbuch dies so vorgibt. Schaue es dir im Kontext der gesamten Regeln an, gegen welche Du Einwände erhebst.

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